Hauptnavigation:

Sie sind hier:

19. März 2010
 

Carmen Nebel

 
Gunther Gabriel. Quelle: Warner Music/Sven Sindt

"Ich bin ein
Mann der Straße"

Gunter Gabriel startet noch einmal durch

von Torsten Haselbauer

Ganz unten, ganz oben und wieder tief unten. Gunter Gabriel, der Mann mit der Gitarre, ist plötzlich wieder da. Mit einer neuen CD und einer Autobiografie seines turbulenten Lebens mit dem treffenden Titel "Wer einmal tief im Keller saß". Im Gespräch mit ZDFonline erzählt der Zwei-Meter-Musiker von seinem harten Leben.

 
 
 
 

ZDFonline: Herr Gabriel, lange nichts mehr von Ihnen gehört. Deshalb die Frage, wie geht es Ihnen eigentlich?

 

Gunter Gabriel: Die Frage habe ich natürlich erwartet. Und ich sage Ihnen, auch wenn es keiner hören will: Mir geht es wieder richtig gut. Ich lebe glücklich und zufrieden auf meinem Hausboot in Hamburg. Seit zwölf Jahren schon. Überall Wasser, das ist ein Traum.

 

ZDFonline: "Nach 67 Jahren und 24 Tagen. Was hab ich erreicht? Was hab ich, das bleibt? Handvoll Kinder, handvoll Frauen. Verletzt und abgehauen. Ich bin ein Nichts. Ich bin ein Niemand. Ein winziges Detail - mit ein paar Liedern", heißt es in einem Ihrer neuen Songs. Das hört sich aber nicht so toll an!

 

Gabriel: Das ist ein Lied von Radiohead, was ich gecovert habe. Der Song drückt nur eine momentane Stimmung aus. Aber keine Angst, das ist nichts für immer. Ganz im Gegenteil. Ich bin wieder voll am Drücker. Jetzt, mit 67 Jahren, starte ich noch einmal richtig durch.

 

ZDFonline: Das hat Ihnen wohl kaum jemand zugetraut.

 

Gabriel: Genau! Und deshalb freut es mich jetzt umso mehr. Es heißt doch immer: Der Gabriel, der ist erledigt. Der trinkt, der ist pleite, der ist ein Randalemann. Mit dem kommt doch keiner zurecht. Was will der überhaupt noch? Aber diese Leute haben nie genau hingehört. Ich war doch nie wirklich weg. Habe immer weiter gesungen und jede Menge Songs und Texte für andere Musiker geschrieben.

 

ZDFonline: Zieht es denn einen nicht richtig runter, wenn man wie Sie immer nur auf Skandale reduziert wird?

 

Gabriel: Ich bin mal ganz ehrlich. Am Anfang hat mich das schon fertig gemacht. Es waren ziemlich harte Jahre. Aber ich bin nicht zerbrochen. Und nach einiger Zeit war es mir wirklich egal, was die Öffentlichkeit über mich erfährt und denkt. Wissen Sie, ich bin ein Mann der Straße. Ein Musiker der Marktplätze, der einfachen Menschen, der Arbeiter. Ich war noch nie jedermanns Liebling und will das auch nicht sein. Meine CD heißt ja nicht von ungefähr "Sohn aus dem Volk".

 

ZDFonline: Jetzt, mit Ihren neuen Projekten, zeigen Sie allen, das Sie noch da sind. Eine Art Genugtuung?

 

Gabriel: Ganz sicher. Ich bin ja in der untersten Liga, der Kreisklasse, gelandet. Nun steige ich wieder auf. Okay, zur Bundesliga reicht es noch nicht. Aber in die Oberliga habe ich es bereits geschafft. Das ist ein großer Erfolg für mich. Ein neues, schönes Gefühl, was ich lange nicht mehr erlebt habe. Denn plötzlich gibt es Lob und Anerkennung. Auch von Leuten, von denen ich es kaum erwartet habe.

 

ZDFonline: Von wem denn?

 

Gabriel: Frank Plasberg zum Beispiel oder Elke Heidenreich, Michael Holm oder Jürgen Drews, um nur einige zu nennen. Da sind sehr unterschiedliche Leute. Aber allen gefällt das, woran ich aktuell arbeite. Das Buch, die Musik. Und sie wünschen mir nur das Beste. Das macht mich echt stolz und verdient habe ich es auch. Ein wenig zumindest, oder?